Allgemeines zur Geschichte der Orgel

Schon im 3. Jahrhundert vor Chr. entwickelten griechische Mechaniker die Orgel im heutigen Sinne – ein Instrument, bei dem mehrere Pfeifen, mechanisch gesteuert, mit Wind angespielt werden, der aber nicht vom Spieler geblasen, sondern aus einer technischen Einrichtung gewonnen wird.
In verschiedenen Ausführungen (vom Tischmodell für den elitären Hausgebrauch bis zum großem Instrument für die antike Arena) war sie jahrhundertelang im griechisch-römischen Kulturraum in Gebrauch. Mit dem weströmischen Reich ging dort aber auch das Wissen um die Orgel unter.

Allerdings sandte Kaiser Konstantin im Jahre 757 eine Orgel als politisch motiviertes Geschenk aus Byzanz an den Hof Kaiser Pippins nach Frankreich. 812 nahm eine weitere Gesandtschaft eine Orgel zu Karl dem Großen nach Aachen mit, und als man anschließend dort begann, das Instrument zu kopieren, war die Orgel wieder im Abendland angekommen.
Im Jahre 915 wird das kaiserliche Instrument Orgel zum ersten Mal im kirchlichen Gebrauch erwähnt. Von da an verbreitet es sich sehr rasch in alle wesentlichen Kirchbauten des Reiches und erfährt ständige Weiterentwicklung und Vergrößerung. Aus anfänglich einigen Dutzend Pfeifen pro Instrument sollten in den folgenden Jahrhunderten schließlich mehrere tausend werden...

 

In Norddeutschland ist die Ankunft der Orgel folgendermaßen datierbar:

Lübeck Dom 1259, Ratzeburg 1260, Neumünster 1280, Bergedorf 1282, Hamburg St. Jacobi 1303, Verden 1312, Stade 1322, Wismar 1339, Bremen Dom 1350, Halberstadt 1361, Rastede 1374, Eutin 1376, Lübeck St. Marien 1377, Lübeck Burgkloster 1390 usw.

War durch den regen Austausch zwischen den Kulturregionen (meist durch Geistliche) der Entwicklungsstand in Nordeuropa zunächst noch relativ einheitlich, bildeten sich ab dem 16. Jhdt. regionale Unterscheidungen aus.
Der vom katholischen Gottesdienst etwas abweichende Gebrauch der Orgel im protestantischen Bereich führte in Nordeuropa im 17. Jhdt. zur Entwicklung eines Typs, der aufgrund seiner Eigenschaften bis heute als eine der Hochformen des Instruments gilt. Verschiedene Strömungen des 20. Jhdts. erklärten ihn sogar zur “idealen” oder “wahren” Orgel, oft bezugnehmend auf die Kompositionen Johann Sebastian Bachs. Die Namen der Orgelbauer(familien) Scherer, Fritzsche, Stellwagen, Schnitger und ihrer Schüler gehören hierher.

Weitere Höhepunkte bildeten sich in unseren Breiten in der 2. Hälfte des 19. Jhdts. (mit den Meistern Ladegast, Buchholz, Walcker) sowie am Übergang zum 20. Jhdt. (Walcker, Sauer) aus. Zu dieser Zeit entwickelte vor allem Frankreich (Cavaillé-Coll) noch eine ähnlich faszinierende Orgelbaukultur.
In dieser Zeit erobert die Orgel neben dem traditionell christlich-gottesdienstlichen Umfeld auch den Konzertsaal, und bis heute ist es üblich, große Konzertsäle für klassische Musik mit großen, hochwertigen Orgeln auszustatten. Auch manche Synagogen erhielten damals Orgeln, obwohl ihr Gebrauch im jüdischen Gottesdienst in den Gemeinden nicht unumstritten war.
Nach einer zumindest hierzulande kritischen Periode in den Nachkriegsjahrzehnten hat die Orgelbaukunst inzwischen wieder ein sehr hohes Niveau erreicht, das aber in Einzelaspekten immer noch den Spitzenleistungen der Vergangenheit nachstrebt.

Bis zur Entwicklung der elektrischen Schallerzeugung und –übertragung war die Orgel (abgesehen von Gewitter und Explosionen) dasjenige Instrument, welches den Menschen die ungewöhnlichsten, beeindruckendsten und – nach damaligem Maßstab – stärksten Klänge bieten konnte.
Zwar ist eine diese Faszination heutzutage durch grenzenlos formbare elektronische Klänge und Großlautsprecheranlagen etwas reduziert, bleibt der Orgel vor allem die Eigenart des “langen Atems”. Dieser ist meist verbunden mit einer Akustik, die nur in sehr großen Hallen oder eben in Kirchbauten zu erzielen ist. Der mehr oder weniger starke Nachhall ist Teil des Klanges und hat von jeher eine bewußtseinserweiternde, ja transzendente Eigenschaft, was in der engen Beziehung zum Religiösen seine Bestätigung findet.

 

Die Faszination der Orgel liegt auch wesentlich in ihrer Ortsgebundenheit: Die Instrumente sind individuell für ihre Aufstellungsorte entworfen. Kunsthandwerkliche, historische und musikalische Eigenarten des jeweiligen Aufstellungssortes fließen prägend in die Instrumente ein.
Wir sprechen heute von “Orgel-Landschaften”, wenn wir Regionen benennen, die in nennenswerter Zahl wertvolle Instrumente einer bestimmten regionalen Prägung geschaffen und bis heute erhalten haben. Erst ab der Industrialisierung wurde es möglich, derartige Grenzen aufzuweichen und Orgelkultur gewissermaßen international zu transferieren.

Die bekanntesten Orgellandschaften in Deutschland mit einer hohen Dichte an bemerkenswerten Instrumenten sind Ostfriesland, das Gebiet zwischen Weser- und Elbmündung sowie in Sachsen die Region Leipzig-Dresden-Erzgebirge. Weitere Regionen sowie Städte (in unserer Nachbarschaft z. B. Stralsund mit demnächst drei Instrumenten von internationalem Rang) stellen darüberhinaus Reiseziele der Orgelkultur dar.
An diesen Orten kümmert man sich zunehmend um die Erschließung dieser Kulturschätze für neues Publikum z. B. durch spezielle Vorführunngen der Instrumente oder Kurzreisen bzw. Ausflüge in Verbindung mit anderen touristischen Attraktionen.

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Wenn Sie es aber nicht ganz so genau wissen wollen, reicht vielleicht ein Blick in unsere Zusammenstellung von Fachbegriffen.

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